Das berühmteste Pferderennen der Welt

Gut behütet und in edlen Zwirn gehüllt verlassen wir das Taxi an Waterloo Station. Der Sonderzug nach Ascot fährt auf Gleis 5. Jede Menge elegant gekleidete Leute, ausgestattet mit Picknickkörben und Decken, warten bereits am Bahnsteig als wir eintreffen. Die Zugfahrt und ein Glas Champagner sind im Eintrittspreis inkludiert, warum dies also nicht nutzen. Wir suchen unser Abteil, die Türen schließen sich und der Zug bewegt sich langsam aus der Stadt heraus.  Die Stimmung ist wie der Engländer sagen würde „Splendid“! Nicht nur bedingt durch den morgendlichen Alkoholkonsum auf nüchternen Magen, nein auch das vorzügliche Wetter beflügelt uns und lässt auf einen herrlichen Tag hoffen. Eine Stunde brauchen wir schließlich bis wir im noblen Ascot ankommen.

Wie üblich bei gesellschaftlichen Events im Königreich, empfiehlt es sich die strikte Kleiderordnung (Dress Code) aufs Genaueste zu befolgen, ansonsten liegt es im Bereich des Möglichen, dass einem der Einlass höflich aber bestimmt verweigert wird. Das Renngelände ist in unterschiedliche Zutrittsbereiche mit entsprechender Kleiderordnung eingeteilt (Je näher man der Queen kommt umso strenger werden die Vorschriften). Für die Mann-über-Bord-Crew gilt GRANDSTAND ADMISSION mit Sichtweite zur Queen.

 

Royal Ascot ist wohl das berühmteste Pferderennen Europas. Der Andrang ist groß, die Warteschlangen lang und die Tore öffnen um 10:30 Uhr. Erstmal ist Zeit um das Gelände zu erkunden und sich mit der Renn-Materie vertraut zu machen. Für das Leibliche Wohl wird vollumfänglich gesorgt. Vier Restaurants, „On The Go“ Möglichkeiten und Bars offerieren, neben Klassikern wie Fish and Chips, Burger und Hotdogs, auch Seafood oder Steaks vom Angus Rind. Ein Delikatessenladen bietet sogar verschiedene Köstlichkeiten für ein gemütliches Picknick auf einer der vielen Grünflächen an.

Das erste Highlight steht auf dem Programm. Die Band der Waliser Garde (Leibgarde der Königin) gibt im Parade Ring einige Lieder zum Besten. Kurz darauf findet schon die Präsentation der Jockeys statt und man muss sich ganz schön sputen, wenn man die Royal Procession nicht verpassen will. Die royale Familie eröffnet traditionell mit einer Kutschfahrt den Renntag.

Am besten postiert man sich an einem strategisch günstigen Platz nahe der Rennbahn, wenn man die Königin mal live sehen möchte. Es geht los! Alle Augen und Handykameras sind gespannt auf die Rennbahn gerichtet.

Von weitem sieht man schon die ersten uniformierten Reiter und aus den Lautsprechern ertönt feierlich „God Save the Queen“. Die Menge beginnt zu applaudieren und lautstarker Jubel bricht aus. Ihre Majestät die Queen, Prinz Philip und Mitglieder der königlichen Familie fahren in einer schwarzen Kutsche direkt an uns vorbei. Der Prinzgemahl zieht freundlich den Hut und grüßt, sichtlich erfreut, die Menge, die ihm und Queen Elizabeth euphorisch zujubelt – ein unvergesslicher Gänsehaut-Moment!!!   Von nun an liegt Spannung in der Luft. Das erste Rennen startet gleich und bei den Buchmachern wechseln im Sekundentakt Pfundnoten den Besitzer. Als Laie kann man sich einige Infos zu Pferd und Reiter aus der Racecard holen. Ansonsten sollte man sich einfach auf sein Gefühl verlassen und ein paar Pfund auf den Kandidaten seines Vertrauens setzen. Denn nur wer wagt, gewinnt! Und ein Pferderennen ohne Wetten ist wie Sachertorte ohne Schlag. Wir versuchen unser Glück mit Macbeth und Elidor. Das Rennen geht über 2.400 Meter und ist mit einem Preisgeld von 75.000 GBP dotiert. Die Quoten für Elidor stehen mit 10/1 (bei 5 GBP Einsatz würde sich ein Gewinn von satten 55 GBP ergeben) eher mit Mittelfeld, Macbeth scheint ein Außenseiter zu sein mit einer Quote von 33/1. Der Startschuss fällt und das Great British Drama beginnt. Leider endet es auch als Drama. Elidor und Macbeth können sich nicht aus dem hinteren Drittel des Rennfeldes lösen und enttäuschen mit miserablen Platzierungen.

Das Gelände ist mittlerweile brechend voll. Es gibt insgesamt drei Rennen am heutigen Tag und wer sich nicht für den Pferdesport begeistern kann wird mit jeder Menge Promis (Liz Hurley, Steffi Graf…) und exzentrischen Selbstdarstellern belohnt. Um hier aufzufallen bedarf es sehr ausgefallener Hut-Creationen und jeder Menge Selbstironie. Die älteren Semester lassen den Tag stilvoll bei Afternoon-Tea und Scones ausklingen, während die Jugend sich einem feuchtfröhliche Party-Marathon hingibt. Die Crew von Mann über Bord hat diesen außergewöhnlichen Tag in vollen Zügen genossen und viele wunderbare Eindrücke gewonnen.

Good bye, and see you soon in Ascot!


Abschließend möchte ich noch – passend zum Thema – auf ein interessantes Buch aufmerksam machen: „How to greet the Queen and other questions of modern etiquette“ von Caroline Taggart, erschienen bei Pavilion Books, 2014.


 

 

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