Kreuzfahrt zum Polarkreis

Zum Tee auf Balfour Castle

Ganz im Norden der Britischen Inseln lieg die Inselgruppe der Orkney Islands. Geologie und Charakter der 70 Inseln sind einzigartig. Die fruchtbaren Böden sind mit satt-grünem Gras bewachsen und bringen reiche Getreideernten hervor. Unzählige archäologische Stätten erzählen von der langen Siedlungsgeschichte der Orkneys, die Menschen sind herzlich und gelassen.

Ohne Schwanken und Schwindelgefühl wachen wir heute morgen auf. Die Queen liegt bereits im Hafen von Kirkwall, einer reizenden Stadt auf der Orkney-Insel Mainland. Endlich hat es aufgehört zu regnen – die Erleichterung ist bei allen spürbar und die Strapazen der letzten Tage sind schnell vergessen als wir zu einem Bummel in die Stadt aufbrechen. Kirkwall ist ein quirliges kleines Städtchen, dessen Zentrum von der bunten Steinfassader der St. Magnus Cathedrale dominiert wird. Das Meisterwerk aus dem Jahre 1137 zeugt von der Verschmelzung der christlichen mit der Wikingerkultur im 8 und 9. Jh..

Die Einheimischen nennen diese Kirche „Das Licht des Nordens“. Der Baustil lässt sich wohl am ehesten in einer Kombination aus romanischem, normannischem und früher Gotik beschreiben. Im Inneren befindet sich eine reiche Ausstattung mit verziertem Mauerwerk und Holzschnitzereien aus unterschiedlichen Epochen. Die Kirche wird heute nur noch selten von der Kirchengemeinde benutzt, steht aber umso öfter im Mittelpunkt weltlicher Veranstaltungen. Die Zeit verfliegt und wir müssen uns beeilen, denn um 11:30 Uhr legt die Fähre zur benachbarten Insel Shapinsay ab.

Wir haben eine Verabredung zum Tee in Balfour Castle. Die Überfahrt dauert ungefähr eine halbe Stunde. Das stilvolle Herrenhaus liegt in einer geschützten Bucht im Südwesten von Sharpinsay.

David Balfour, der 4. Laird of Balfour, hatte es mit dem Handel der Ost-Indien-Company zu beträchtlichem Vermögen gebracht und ließ das Schloss zwischen 1846 und 1859 von David Bryce – einem bedeutenden Architekten seiner Zeit – erbauen. Die originale Innenausstattung ist bis zum heutigen Tag erhalten geblieben und lädt zu einer opulenten Zeitreise ins 19. Jahrhundert ein.

In der weitläufigen und gepflegten Gartenanlage entdeckt der Kenner so manche exotische Blüte und Pflanze, die durch den Golfstrom hier prächtig wächst und gedeiht. Heute beherbergt das ehemalige Herrenhaus ein 5-Sterne Hotel und verwöhnt seine Gäste mit frischer Seeluft, Meerblick, Ruhe, einem Crocket-Platz und schottischen Spezialitäten in familiärer Atmosphäre.

In den Genuss von Köstlichkeiten kommen wir heute auch. Nach einer Führung durch das Anwesen und die Räumlichkeiten des Herrenhauses, erwartet uns im Speisezimmer ein liebevoll gedeckter Tisch, leckere Sandwiches, köstlichen Kuchen, Scoones und natürlich eine heiße Tasse Tee. Ein wundervolles Erlebnis und eine kleine Wiedergutmachung für die Wetterkapriolen der letzten Tage. Abschließend lassen die Herren den Nachmittag bei einer Runde Billard oder Cricket ausklingen während Andere noch einen Spaziergang auf der Insel unternehmen.

Die Fähre ist pünktlich und bringt uns zurück nach Kirkwall. Obwohl die Sicherheitsvorkehrungen auf den zweiten Blick doch gravierende Mängel aufweisen und ein Piratenbeflaggtes Boot zu uns stösst, kommen wir sicher auf Mainland an. Wir Weltentdecker lieben ja das Abenteuer!!

Womit wir beim letzten Reiseabschnitt für den heutigen Tag wären. Whiskyliebhaber aus der ganzen Welt kommen hier her um die legendäre Highland Park Distillery zu besuchen. Die Brennerei aus dem 18. Jh. gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Orkney-Inseln und bietet täglich Führungen durch die denkmalgeschützten Gebäude an (Voranmeldung empfohlen). Die Brennerei produziert eine Vielzahl von Abfüllungen, darunter auch limitierte Serien wie die Orcadian Vintage Serie oder die auf 275 Flaschen limitierte Highland Park 50, der älteste und mit 10.000 GBP auch der teuerste Whiskey im Sortiment. Verkostet und erworben werden können die edlen Tropfen im angeschlossenen Showroom.

2014 lagerten und reiften auf dem Gelände am Stadtrand von Kirkwall rund 1.800.000 Gallonen (entspricht 80.000 Hektolitern) Whisky. Kein Wunder, dass hier so manch Einer ins Schwärmen kommt. Ein Souvenir, passend zur Reise, darf heute natürlich mit. Erinnern Sie sich an die Statue vor der Hallgrimskirkja in Reykjavik? Leif Eriksson, der heimliche Entdecker Amerikas, ist Namensgeber einer limitierten Edition und begleitet uns nach Hause.

Selbstredend ist das Thema Whisky heute Abend in aller Munde und auf der Speisekarte des Britannia Restaurant findet sich eine echte schottische Spezialität: Haggis, serviert mit Steckrüben und Kartoffeln (neeps and tatties). Die Spezialität besteht aus Schafsmagen (paunch) der mit Herz, Leber, Lunge und Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird – vergleichbar mit einem Pfälzer Saumagen. Den Mutigen gehört die Welt!


 

Die Reise neigt sich dem Ende zu und die Queen Victoria nimmt Kurs Richtung Süden auf den Heimathafen Southampton. Heute Abend gibt es nochmal Gelegenheit sich zum Royal Ascot Ball von seiner besten Seite zu zeigen (am besten mit Hut) und das Tanzbein zu schwingen. Die formellen Abende an Bord sind die Höhepunkte jeder Reise und finden meist an See-Tagen statt. Heute heißt es für alle Abschied nehmen. Die Küchencrew veranstaltet traditionell am letzten Abend eine Farewell-Parade und schweren Herzens verabschiedet man sich von seinen Tischnachbaren, tauscht Kontakte und wer weiß, vielleicht sieht man sich ja schon bald mal wieder.

Die Crew von www.mannueberbord.com verabschiedet sich für heute und freut sich schon auf die nächste Reise – diesmal aber in wärmeren Gefilden. Wir sehen uns in der Karibik!!

 

 

2 Antworten auf „Kreuzfahrt zum Polarkreis“

  1. Wow, cooler Bericht (im wahrsten Sinne des Wortes) und wunderschöne Bilder. Endlich mal keine so larifari-schnell-schnell Berichte. Das sieht nach viel Arbeit aus. Bin echt begeistert!! Wann gibts mehr davon?

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