Weltreise 2019: Port Canaveral | Florida | USA – A day outer Space!

Eine Kaltfront mit Sturmtief hat sich angekündigt und zieht von Florida über den Norden der USA. Anlass genug für Kapitän Andrew Hall die geplante Ankunft in Port Everglades bereits auf den Vorabend zu verlagern um den Sturm zu umschiffen. Volle Kraft voraus geht es durch das berühmt berüchtigte Bermuda Dreieck und wir erreichen unbeschadet am Abend des 19. Januar Port Everglades / Florida.

An nächsten Morgen heißt es für uns früh aufstehen. Die Einwanderungs-behörden der USA schreiben vor, dass alle Passagiere von Bord gehen und den Einwanderungsprozess durchlaufen müssen – egal ob man an Land gehen möchte oder nicht. Das Prozedere beginnt in den frühen Morgenstunden. Da wir eine Tour zum Kennedy Space Center gebucht und sollten wir spätestens um 08:15 Uhr am Treffpunkt erscheinen… Es zieht sich, aber letztendlich schaffen wir es doch noch rechtzeitig.

Viele Passagiere haben sich heute auf Sonnenschein und warme Temperaturen eingestellt und werden bei Verlassen des Terminals schnell eines Besseren belehrt. Die Kaltfront hat Spuren hinterlassen und mit 16°C ist es am Morgen sehr frisch. Noch kälter ist es aber im klimatisierten Bus, der uns gleich zum Kennedy Space Center bringt.

Amerikas Weltraumbahnhof begann nach dem Zweiten Weltkrieg als Testgelände für Langstreckenraketen. Der Ort war gut gewählt, denn über dem Atlantik konnte gefahrlos getestet werden und das ganze Jahr über herrschte meist gutes Flugwetter. 1950 begann man mit dem Test modifizierter V-2-Raketen. Unter der wissenschaftlichen Leitung des deutschen Raketenexperten Wernher von Braun wurden die „Redstone“ und „Polaris-Raketen“ entwickelt. Richtig in Schwung kam die Raumfahrtindustrie jedoch erst als die russische Sonde Sputnik 1 abhob. Daraufhin beschlossen die USA am 1. Oktober 1958 die Weltraumbehörde NASA (National Aeronautics and Space Administration) zu gründen um die friedliche Nutzung und Erforschung des Weltraums voranzutreiben.

Doch während die NASA noch im Aufbau war, meldeten die Sowjets am 12. April 1961 den ersten bemannten Raumflug. Weniger als einen Monat später konterten die USA und schickten am 5. Mai Alan Shepard an Bord der Mercury 1 ins All. Noch im gleichen Monat kündigte Präsident John F. Kennedy („we chose to go to the moon in this decade….to land a man on the moon and bring him safely back to the earth“) eine bemannte Expedition zum Mond an und der Wettlauf zum Mond begann.

Kurz darauf wurde das Apollo-Programm aus der Taufe gehoben, das mit Apollo 11 seinen Höhepunkt erlebte. Am 20. Juli 1969 betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Weitere Expeditionen folgten. Apollo 13 ging als Beinahe-Katastrophe in die Geschichte ein und im Dezember 1972 startete mit Apollo 17 die vorerst letzte Expedition zum Erdtrabanten.

Das John F. Kennedy Space Center ist vielleicht das interessanteste Besucherzentrum der USA. Die weitläufige Ansammlung flacher weißer Gebäude mit Grünanlagen und Vergnügungspark-Charakter zeigt die Geschichte der amerikanischen Raumfahrt von den ersten Satelliten über die Mercury-, Gemini- und Apollo-Missionen bis zum Shuttle-Programm.

Neben dem Visitor-Center gibt es auch die Möglichkeit Montagehallen, Abschussrampen und Raketen aus der Nähe zu betrachten. Mit dem Bus geht es zur KSC Up-Close Vehicle Assembly Building Tour. Diese führt uns zum Apollo/Saturn V Center, wo original Raketen, Raumfahrzeuge und Mondlandeeinheiten besichtigt werden können. Auch der Raumanzug von Alan Shepard, original Mondgestein und eine beeindruckende IMAX Präsentation über die Zukunft der Raumfahrt gehören zum umfangreichen Programm.

20. Juli 1969: Neil Armstrong betritt als erster Mensch den Mond

„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer für die Menschheit“. Worte, die in die Geschichte eingegangen sind.

In der Regel enthält die Up-Close Experience Tour auch die Besichtigung der Shuttle-Abschussrampe A- und B. Doch wegen des Shutdown in den USA können wir diese heute nur aus der Ferne betrachten – Schade!

Zurück im Visitor-Center widmen wir uns noch dem letzten Teil der amerikanischen Raumfahrtgeschichte. Vor dem Shuttle-Center erhebt sich in beeindruckender Größe das ausgemustertes Atlantis Shuttle. 1979 wurde mit „Colombia“ die Aera der wiederverwendbaren Raumfähren eingeläutet. Die Shuttles starten auf Trägerraketen huckepack, lösen sich und landen anschließend wie Flugzeuge. Sie waren dazu konzipiert Nutzlasten wie Satelliten und Ersatzteile ins All zu transportieren.

Colombia absolvierte am 12. April 1982 mit zwei Astronauten an Bord ihren ersten Jungfernflug. In den beiden folgenden Jahrzehnten setzten insgesamt fünf Shuttles 61 Satelliten ab, transportierten rund 700 Piloten und Crewmitglieder und bewältigten rund 700 Mio. Flugkilometer. Die Flugkosten überstiegen die Schätzungen um ein Vielfaches (ein Flug kostet rund. 500 Mio US$) und zwei tragische Unfälle überschatteten das Shuttle-Programm. 1986 explodierte die „Challenger“ kurz nach dem Start und 2003 verglühte die „Columbia“ beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

Erst 2005 startete die Raumfähre „Discovery“ wieder ins All. Nach über 30 Jahren Weltraumfahrt und mehr als 130 Missionen fand im Juli 2011 der letzte Shuttle-Flug statt. Das ausgemusterte Shuttle Atlantis kann heute im Visitor Center besichtigt werden. Von Cape Canaveral starten aber weiterhin Trägerraketen im Satelliten für militärische und zivile Zwecke in den Weltraum. In privaten Initiativen wie SpaceX oder BLUE ORIGIN lebt der Traum vom Reisen in den Weltraum weiter.

Ein spannender Tag im Zeichen der amerikanischen Raumfahrtgeschichte geht zu Ende und um 19:30 setzt Queen Victoria Kurs auf Fort Lauderdale. Good Night aus Florida!

 

 

 

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