Preußens Pop und Gloria – zu Besuch im Schloss Sanssouci.

„Ich lasse mich nicht mehr malen.“ schrieb er 1743 an Voltaire. Gezeichnet durch den Siebenjährigen Krieg und die Gicht war Friedrich ein verhärmter und gebeugter Mann geworden, der am Stock ging und mit weit aufgerissenen Glubschaugen die Welt misstrauisch begutachtete. Mit einer poppigen Glamourversion paraphrasiert Andy Warhol den preußischen Herrscher und zeigt ihn als schillernden Monarchen und Pop-Ikone des Rokoko.

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Das Gebiet westlich der Potsdamer Innenstadt steht ganz im Zeichen des Park Sanssouci und seiner vielen reizvollen Attraktionen. Hier reiht sich Sehenswürdigkeit an Sehenswürdigkeit. Dominiert vom Schloss Sanssouci, entwickelte sich die Anlage über zwei Jahrhunderte hinweg zu einem attraktiven Ensemble mit prachtvollen Schlössern und Gebäuden.

Der Mythos Sanssouci – ohne Sorgen – ist untrennbar mit Friedrich dem Großen verbunden. Es sollte ein Refugium nur für ihn alleine werden – um das Glück zu finden und die Sorgen zu vergessen. Nach eigenen Entwürfen ließ er die Sommerresidenz von Georg Wenzelslaus von Knobelsdorff auf einem speziell für dieses Schloss geschaffenen Weinberg errichten. Nach 30-jähriger Bauzeit entstand ein Musterbeispiel des friderizianischen Rokokos.

Am besten nähert man sich dem Schloss durch den Park. Vorbei an den Weinbergterrassen erreicht man die große Freitreppe, den Lieblingsplatz des Königs. Hier erholte sich Friedrich beim Musizieren und Lesen von den Staatsgeschäften. Die hellgelbe Fassade ist mit Bachanten (Begleiter des Weingottes Bacchus), Putten und Vasen verziert. Die weitläufige Terrasse bietet eine wunderbare Aussicht über die sanft abfallenden Weinterrassen auf den Park und die große Wasserfontäne. Der Haupteingang befindet sich auf der eher sachlichen Nordseite des Schlosses und wird von einer halbrunden Säulenkolonade umschlossen.

In Inneren wandelt man durch prächtige Innenräume auf den Spuren des alten Fritz: Vom Vestibül (Eingangshalle) aus gelangt man in den ovalen Marmorsaal mit seiner prachtvollen Kuppel und dem vielen vergoldeten Dekoraktionen. Die Lichtöffnung im Scheitelpunkt der Kuppel erinnert an das römische Pantheon.

Im Musikzimmer fanden die berühmten Flötenkonzerte von Sanssouci statt. Friedrich war an Kunst in jeder Form interessiert. Gleich nach seinem Amtsantritt ließ er z. B. für das Berliner Publikum das Opernhaus unter den Linden als Musentempel erbauen, er spielte sehr gut Querflöte, komponierte und verfasste das Libretto zur Oper Montezuma. Er liebte die Gesellschaft von Intellektuellen und lud Persönlichkeiten wir Voltaire und J. S. Bach auf sein Schloss ein. So kommt es vielleicht, dass Friedrich großen Wert auf die Ausstattung seiner Bibliothek legte. Der kreisförmige Raum ist mit Zedernholz getäfelt und Bronzeornamenten verziert und zählt zu den schönsten Räumen im Schloss.

Auch das Arbeits- und Schlafzimmer Friedrichs II. sowie sein Sterbezimmer können besichtigt werden. Hinter dem Marmorsaal erstrecken sich im Westflügel die weniger spektakulär ausgestatteten Gästezimmer, auch jenes, das der französische Schriftsteller und Philosoph Voltaire, von 1750-53 als Gast des Königs bewohnte. Seiner Gattin war es übrigens Zeit ihres Lebens verwehrt geblieben das Schloss zu betreten.

Die Lage des Schlosses und die original erhaltenen Raumausstattungen aus dem 18. Jh. lassen den Besucher in die Welt des Philosophen von Sanssouci eintauchen. Die Liebe des Königs zur Umgebung spiegelt sich auch in der Wahl seiner letzten Ruhestädte wieder: auf der obersten Weinbergterrasse ließ er sich in einer Gruft beisetzen, denn auch im Tode wollte er seinem geliebten Sanssouci nahe sein.

Für einen ausgedehnten Spaziergang durch Park Sanssouci sollte man mind. einen Tag einplanen. Die Distanzen sind weit und die Wege teilweise unbefestigt. Leider sind viele Gebäude und auch Teile des Parks in renovierungsbedürftigem Zustand. Schade, denn das gesamte Ensemble ist wirklich einzigartig und zu Recht auf der List des UNESCO Weltkulturerbe. Ein paar Impressionen gibt es aber auf jeden Fall noch:

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Abschließend noch ein paar Infos/Erfahrungen die ich Euch nicht vorenthalten möchte: Die Einlasstaktung für Besucher, mit 5 Min. zu knapp bemessen ist. Die Besichtigung wird mittels Audioguide durchgeführt und umfasst Gruppengrößen mit ca. 30 Personen. Es bleibt nur sehr wenig Zeit sich in Ruhe mit den Räumlichkeiten und der Geschichte auseinanderzusetzen. Mit 21 Euro p. P. ist das Sanssouci+ Ticket auch relativ teuer im Vergleich zu anderen Kulturstädten in Europa. Eine Fotoerlaubnis für die Innenräume kostet zusätzlich 3 Euro. Man erhält zwar am gleichen Tag auch Zutritt zu den anderen Schlössern und Gebäuden im Park, doch ACHTUNG: bis auf das Schloss Sanssouci öffnen fast alle Gebäude ihre Pforten für Besucher erst im Mai. Tickets können vorab online im Internet erworben werden um lange Wartezeiten zu vermeiden.

Und damit verabschiedet sich die Crew von mannueberbord.com für heute aus dem Park Sanssouci in Potsdam/Deutschland.

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