Neue Töne beim Eröffnungskonzert des Bodenseefestival 2018

Vorwärts zu neuen Ufern! Mit provokantem Untertitel lädt das diesjährige Bodenseefestival die Liebhaber von Musik, Kunst und Kultur zu einer Entdeckungsreise in das Gastland Russland.

Das Leitmotiv wurde bereits im 19. Jahrhundert von einer Gruppe russischer Komponisten geprägt, die sich die „Gruppe der Fünf„ (oder das mächtige Häuflein) nannten und der Förderung einer nationalrussischen Musik verschrieben hatten. Im Gegensatz zu Tschaikowski und Rubinstein, die sich stark an westeuropäischen Vorbildern orientierten, propagierte die Gruppe der Fünf (Mili Balakirew, Alexander Borodin, César Cui, Modest Mussorgski, Nikolai Rimski-Korsakow) die russische Volksmusik als Grundlage für eine nationale Musiksprache zu nutzen.

Jedes Jahr im Mai ist rund um den Bodensee Festivalzeit! Im Zentrum der über 60 Veranstaltungen steht der grenzüberschreitende Kulturaustausch, der dieses Jahr den Fokus auf das Gastland Russland richtet. „Wir wollen die Neugier auf Kunst und Kultur des Landes fördern und die Verbindungen zwischen Russland und der Bodenseeregion auf der zwischenmenschlichen und künstlerischen Ebene weiterentwickeln“, so der Veranstalter.

Bei der gestrigen Eröffnung wurde dies auf beeindruckende Weise unter Beweis gestellt. Der junge russische Pianist Dmitry Masleev verzauberte das Publikum mit Sergej Rachmaninows Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 d-Moll op. 30 und überzeugte mit einem fulminanten Klangfeuerwerk und virtuoser Brillanz von Weltrang. Begleitet vom SWR Symphonieorchester unter der Leitung des ehrenwerten Christoph Eschenbach entstand ein rundes und stimmiges Gesamterlebnis!

Während der Pause ergab sich für die Besucher des ausverkauften Eröffnungskonzertes die Gelegenheit den „Artist in Residence“ live zu treffen und kennenzulernen. Mit viel Sympathie und Geduld begegnete Dmitry Masleev seinen Bewunderern aus jeder Altergruppe und sorgte für viele glückliche und inspirierende Momente.

Nach der Pause entführte Eschenbach und das SWR Symphonieorchester das Publikum mit Pjotr I. Tschaikowskis Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64 in den „schicksalshaften Kampf einer russischen Seele“, denn Tschaikowski haderte zeitlebens mit der Qualität dieser Sinfonie:

„Nachdem ich die Sinfonie 2mal in St. Petersburg und einmal in Prag aufgeführt habe, bin ich von ihrem Misserfolg überzeugt. Es ist etwas abstoßendes darin, Flickwerk, Unaufrichtigkeit und Kunstkniffe.“ Pjotr I. Tschaikowski 

„Das Angenehme ist, dass die Sinfonie aufgehört hat, mir hässlich zu erscheinen, ich habe sie wieder liebgewonnen.“ Pjotr I. Tschaikowski

Das Publikum würdigte am Ende des Abends die musikalischen Höchstleistungen mit tosendem Applaus.

Dass wir uns gleich noch „Auf zu neuen Ufern“ machen erwartete an diesem Abend wohl niemand mehr.

Im Foyer mischten sich Orchesterklänge mit elektronischen Beats. Gabriel Prokofjew – der Enkel des russischen Komponisten Sergej Prokofjew (Peter und der Wolf) – Komponist, Produzent und DJ lotete an diesem Abend mit seiner Performance die Grenzen der westlichen klassischen Musik aus und stieß damit auf wenig Zustimmung beim Publikum. Zu unrecht wie wir finden, denn die Botschaft „Aufbruch“ wurde klar kommuniziert und die Art der ungezwungenen musikalischen Performance gab den Zuhörern die Chance, die neuen Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Kennern der Londoner Club Szene ist Sergej Prokofjews Reihe „Nonclassical Nights“ vielleicht ein Begriff. Dort hat das Format bereits Kultstatus erreicht – ein erster vielversprechender Schritt ist nun auch hier am Bodensee getan. www.mannueberbord.com hofft auf weitere inspirierende Momente und freut sich schon auf das nächste Bodenseefestival 2019!

Bis zum 27. Mai finden noch an vielen außergewöhnlichen Spielorten rund um den wunderschönen Bodensee Konzerte, Ballett, Theater, Vorträge und Lesungen statt. Mehr unter: www.bodenseefestival.de

 

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