Leinen los zur Kreuzfahrt um die Britischen Inseln – Rotterdam

Unsere Seereise um die Britischen Inseln startet in einem der größten Seehäfen der Welt.  Der im Rhein-Maas-Delta an der Rheinmündung (Nordsee) gelegene Rotterdamer Hafen liegt an einer der dichtest befahrenen Wasserstraßen der Welt und ist im Gegensatz zu den meisten anderen Nordseehäfen von Schiffen bis 24 Meter Tiefgang anfahrbar. Bestehend seit dem 14. Jahrhundert begann der Aufschwung des Hafens mit der Industrialisierung im Ruhrgebiet, das über den Rhein direkt erreichbar ist. Der Hafen Rotterdam und die hafenbezogene Wirtschaft tragen etwa 7 % zum niederländischen Bruttoinlandsprodukt bei und beschäftigen etwa 320.000 Arbeitnehmer; etwa 60.000 von ihnen arbeiten im eigentlichen Hafengebiet. Das Hafengebiet reicht knapp 40 Kilometer von der Rotterdamer Innenstadt bis an den Hoek van Holland und nimmt etwa 100 km² Fläche ein. Hier an der Wilhelminakade liegt die Queen Elizabeth, unser zu Hause für die kommenden zwei Wochen.

Heute ist es endlich soweit! Queen Elizabeth , das jüngste Mitglied der CUNARD Flotte hat heute morgen um 06:43 Uhr längsseits des Wilhelminakade in Rotterdam fest gemacht. Die Anreise aus der niederländischen Hauptstadt nach Rotterdam dauert gut eine Stunde und führt entlang der Nordseeküste Richtung Süden, vorbei an Den Haag und der Keramikstadt Delft. Rotterdam ist heute eine moderne und kreative Metropole, die Vergangenheit und Zukunft auf interessante Weise miteinander verbindet.

Queen Elizabeth  •  Kreuzfahrtschiff der Luxusklasse  • Länge: 294 m  • Tiefgang: 8 m  • Stapellauf: 5. Januar 2010  • Breite: 32 m  • Werft: Fincantieri
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Das Kreuzfahrtterminal (Wilhelminakade) liegt eingebettet in eine spektakuläre Szenerie aus futuristischen Hochhäusern, alten Docks und  Containerterminals. Liebhaber moderner Architektur erleben hier Weihnachten und Ostern zusammen: Rem Koolhaas, Ben van Berkel, Renzo Piano, … sie alle haben dazu beigetragen, dass auf der ehemaligen Hafeninsel (Kopvan-Zuid-Quartier) heute wieder das Herz der Innenstadt schlägt.

Bei der Anreise über die beeindruckende Erasmusbrug (Ben van Berkel) nehmen wir zum ersten Mal Blickkontakt mit unserem neuen zu Hause auf. Prachtvoll liegt das Kreuzfahrtschiff Queen Elizabeth, mit ihrem charakteristischen roten Schornstein, in Hafen von Rotterdam und erwartet neuen Gäste. Die Spannung steigt und plötzlich ragt dieses gewaltige und majestätische Schiff zwischen den Hochhäusern hervor. Ich denke jeder, der schon einmal eine Kreuzfahrt gemacht hat kennt diesen magischen Moment der Vorfreude.

Die Organisation am Terminal ist absolut perfekt und der Check-In im Handumdrehen erledigt. Die Mitarbeiter sind unglaublich freundlich und zuvorkommend – das muss an dieser Stelle auch mal erwähnt werden – DANKE ROTTERDAM CRUISE TERMINAL!

Bei Betreten des Schiffes über die Gangway werden die Passagiere von den rot/gold gekleideten Cunard-Bellboys begrüßt. Die Kabine ist schnell gefunden und unser alter Freund „Paul Acker“ steht schon eisgekühlt mit zwei Gläsern zur Begrüßung bereit. Michael, unser persönlicher Kabinen-Steward für die nächsten zwei Wochen, klopft auch schon prompt an die Tür und stellt sich vor. Er kümmert sich um alle großen und kleinen Anliegen und sorgt dafür dass unsere Kabine immer in einem Top-Zustand ist. Ausgepackt und angestoßen wird später, denn nun geht es erstmal zur Stadtbesichtigung zurück an Land. Das Schiff läuft heute erst um 22:00 Uhr aus. Somit bleibt noch genügend Zeit Hollands zweitgrößte Metropole zu erkunden. Zum perfekten Service gehört ein kostenloser Busshuttle vom Cruise Terminal ins Zentrum, ein Stadtplan mit Besichtigungsempfehlungen und königliches Wetter!

Rotterdam hat sich heute wirklich für uns herausgeputzt: Die Fahrt ins Zentrum dauert nicht lange. Der Bus hält direkt am Blaak – dem einstigen Zentrum der Stadt.

Der große Platz wird von einigen charakteristischen Gebäuden flankiert. Allen voran die hufeisenförmige Markthal. Sie ist der erste komplett überdachte Lebensmittelmarkt in den Niederlanden. Das Einzigartige an dieser Halle ist, dass sie nicht nur eine Mischung aus Markt, Einkaufsläden, Restaurants und Parkplätzen ist, sondern sich auch zum Wohnen eignet. Die Fassaden an der Vorder- bzw. Rückseite des Baus sind beide aus Drahtseilen und Glasscheiben zusammengestellt. Im Erdgeschoss befindet sich ein großer Markt mit Buden die allerlei Köstlichkeiten aus aller Welt anbieten. An den Längsseiten liegen Fachgeschäfte für exotische und lokale Lebensmittel, Getränke und Kochartikel. Restaurants und Cafés findet man im ersten Stock. Den übrigen Bogen füllen 228 Wohnungen auf weiteren 10 Stockwerken.

Die riesige Glasfassade ist so konstruiert, dass sie sich im Falle eines starken Sturms bis zu 75 cm ausdehnen kann.

Dominant und beeindruckend ist die Decke der Halle. Sie zeigt ein Kunstwerk des niederländischen Künstlers Arno Coenen. Das Werk trägt den Namen Hoorn des Overvloeds (Das Horn der Fülle). Es ist eine zeitgemäße Interpretation der Stillleben alter, holländischer Meister. Die Idee des Künstlers bestand darin, das kindliche Gefühl des Verwunderns, das man damals beim Lesen von „Alice in Wunderland“ hatte, zu erzeugen. Zur Umsetzung der bildlichen Darstellung verwendete er die neuesten 3D-Techniken und riesige Datenspeicher. Die Dateiengröße dieses Kunstwerks beträgt 1,47 Terabyte. Das Ergebnis sind klare scharfe Bilder, die eine einmalige Atmosphäre zaubern.

Gegenüber der Markthalle fallen einem bizarre gelbe Kubushäuser (Kijkkubus) ins Auge. Diese sind ein Entwurfsmuster für Wohngebäude, das von dem Architekten Piet Blom auf der Basis von würfelförmigen, auf einer Ecke stehenden Baukörpern entwickelt wurde. Die ersten Entwürfe zu den Kubushäuser stammen aus dem Jahr 1974.

Der Kubus hat drei Etagen. Auf der untersten liegt ein Wohn- und Essraum und die Küche, ein Büro oder Hobbyraum und eine Toilette. Die mittlere Etage beinhaltet zwei Schlafzimmer und ein Bad. Auf der obersten Etage befindet sich ein pyramidenförmiger Raum mit Fenstern zu allen Seiten, der als Schlafzimmer, Kinderzimmer oder Sonnenraum genutzt werden kann. Blom sah die Häuser als Bäume mit einem „Stamm“ zur vertikalen Erschließung und der Wohneinheit als „Baumkrone“. Mehrere Gebäude als Gruppe definierte er als „Wald“ oder „Dorf“.

Direkt hinter den Kubushäusern liegen Rotterdams nautische Wurzeln. Der Oude Haven (Alter Hafen) wurde im 14. Jh. gebaut und ist der älteste Hafen Rotterdams. Dieser Ort erhält seinen besonderen Charakter durch die Mischung aus historischen Handelshäuser und moderner Architektur. Die Mole wird von Cafés und Kneipen gesäumt. Ein idealer Platz um den schönen Ausblick auf die historischen Schiffe des Hafenmuseums und die einzigartige Atmosphäre bei einem Café, Bier oder Cocktail zu genießen.

Es wäre gerade so gemütlich, aber leider müssen wir schon wieder zurück auf´s Schiff, denn ein wichtiger Programmpunkt steht auf unserer Agenda: Die Notfallübung (Guest Emergency Drill). Auf persönliche Einladung des Kapitäns – und gesetzlich vorgeschrieben – eine Pflichtveranstaltung für alle an Bord. Also, Rettungsweste unter den Arm geklemmt und los geht’s zur ausgewiesenen Sammelstelle.

Es wird Zeit sich allmählich zum Dinner fertig zu machen. Cunard hat vor Kurzem neue Begrifflichkeiten für die Kleiderordnung eingeführt, grundsätzlich hat sich daran aber nicht viel geändert. „Formal“ heißt jetzt „Gala“ und „Informal“ wird mit „Smart attire“ umschrieben. Warum es zu dieser Änderung kam konnte ich nicht herausfinden. Fakt ist, heute Abend gilt Smart attire in allen öffentlichen Bereichen unter Deck (außer im Lido und Pub), das bedeutet Cocktailkleid, Hosenanzug oder elegante Kombination für die Dame, lange Hosen und Jacket für den Herren.

Die Vergabe der Tische im Restaurant erfolgt vor Reiseantritt. Gäste können bei Buchung die präferierte Tischgröße angeben und bekommen dann, während der kompletten Reise, einen festen Tisch zugeteilt. Auf diese Weise muß man sich über Tischreservierungen den Kopf nicht zerbrechen – ein Stück sorgloser Urlaub mehr.

Um 21:17 Uhr heißt es Leinen los und Queen Elizabeth verlässt den Hafen von Rotterdam über den „Niew Waterweg“ und fährt in den Sonnenuntergang. Gute Nacht!

 


 

Die vergangenen Tage waren wundervoll, aufregend aber auch anstrengend. Daher kommt ein entspannter Tag auf See gut gelegen. Wir befinden uns heute auf nord-westlichem Kurs Richtung New Haven (UK) und durchqueren die Ölfelder der Indefatigable Bank (Nordsee, zwischen Niederländischer und Englischer Küste; Indefatigable = unermüdlich). Im Laufe des Nachmittags passieren wir auf der Steuerbord-Seite* die Felsformation von Falmborough Head, einem Naturreservat für Seevögel.

Heute Morgen wurden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt, daher starten heute viele Passagiere etwas später in den Tag als gewohnt. Das Unterhaltungsprogramm ist dicht gedrängt und bietet für jeden Geschmack etwas: vom Line Dancing über eine Kochdemonstration, klassische Musik, Lesungen und nicht zu vergessen – der legendäre Afternoon Tea mit musikalischer Begleitung des bordeigenen Streichquartettes. Wer Ruhe sucht findet diese gewiss an Deck oder in einer der vielen Sitzecken oder Cafés. Die Mann-über-Bord-Crew trifft sich heute mit anderen Reisenden zu einem gemeinsamen Mittagessen. Eine gute Gelegenheit um erste Kontakte zu knüpfen und sich über das Kreuzfahrerleben im Allgemeinen und Speziellen auszutauschen. Wer zum ersten Mal an Bord ist, hat Gelegenheit an einer Schiffstour teilzunehmen.

An der Küste von Yorkshire – zwischen den Filey- und Bridlinton-Buchten der Nordsee – ragt ein Naturreservat aus Kreidefelsen und weißen Klippen ins Meer. Flamborough Head ist 8 Meilen (13 km) lang und Heimat für rund 200.000 nistende Nordbastölpel, Dreizehenmöven und atlantische Papageientaucher (siehe Abb v.r.n.l).

Die geologische Beschaffenheit der Landzunge setzt sich aus 100-70 Mio. Jahren alten Kalkablagerungen zusammen. Die hohe Anzahl an unterirdische Höhlen und Gänge ist einzigartig in England und daher von internationaler geologischer Bedeutung. 

Wusstest du schon? Eine Gruppe von Papageientauchern wird Zirkus genannt.

Bereits 1669 wurde auf der Klippe ein Leuchtturm errichtet um vorbeifahrende Schiffe vor der Gefahr des Felsvorsprungs zu warnen. „The chalk tower“ (Kreideturm) ist der Älteste noch erhaltene Leuchtturm Englands und steht heute unter dem Schutz des National Heritage (Denkmalschutz).

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Als Warm-up zum heutigen Gala-Abend hat Kapitän Hashmi zum Cocktailempfang in den festlich geschmückten Queens Room geladen. Dressed-up, mit Smoking und Abendrobe begeben wir uns zum Einlass. Wer den Kapitän persönlich kennenlernen möchte stellt sich in der „Captains-Line“ an. Shakehands, ein kurzer Smalltalk und natürlich das obligatorische Kapitäns-Foto als Erinnerung sind für viele Gäste ein Highlight der Reise. Serviert werden – neben Champagner – auch Cocktails und Fingerfood. Zeit, die Gläser auf eine hoffentlich gelungene Reise zu erheben! Cheers! Mit der Begrüßungsrede Kapitän Hashmis und der Vorstellung aller Verantwortlichen Senior Officers an Bord findet der Empfang  seinen Höhepunkt und die Gäste werden anschließend ins Restaurant gebeten.

Ein Gala-Menu wartet auf uns. Lammkarree, Sirloin-Steak, Entenleber oder Hummer, … mit jeweils 6 Gängen zur Auswahl findet Jeder heute sein persönliches kulinarisches Erlebnis. Inklusive passender Weinbegleitung und musikalischer Untermalung durch das Streichquartett, kommt sogar Titanic-Feeling auf. Um überschüssige Pfunde gleich wieder los zu werden empfiehlt sich ein anschließender Besuch des Cunard-Ball. Mit schwungvoller Tanzmusik führt das Queens Room Orchester durch den Abend und es wird noch bis tief in die Nacht getanzt und gefeiert. Cha-Cha-Cha!

*Backbord (Bb) bezeichnet, vom Heck zum Bug gesehen, die linke Seite eines Schiffes. Die rechte Seite wird mit Steuerbord (Stb) bezeichnet.

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