Kreuzfahrt Britische Inseln Killybegs

Teil 4:  Irlands grüner Norden.

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Irland, so sagt man, ist die Insel der Mythen und Legenden. Ganz im Norden liegt eine kleine, Hafenstadt eingebettet in eine Kulisse aus steilen Klippen und saften Hügeln, deren sattes Grün bis hinunter ans Meer reicht. Hier kann man aufatmen, die Ruhe genießen und der Natur ganz nah sein! Killybegs (irisch: Na Cealla Beaga) besitzt einen natürlichen Hafen mit einer Mindestwassertiefe von 12 Metern. Killybegs ist heute eine wichtige Hafenstadt in der Grafschaft Donegal und der produktivste Fischereihafen in ganz Irland.

Während der Rest Europas seit Wochen unter einer Hitzewelle leidet, genießen wir eine kühle Brise, die vom Atlantik her auf die Küste trifft. Die Wolken hängen tief und es regnet als Queen Elizabeth heute Morgen um 07:31 Uhr zum Maiden Call (Premienrenanlauf) in den Hafen von Killybegs einläuft und längsseits der South Pier festmacht.

Es hat auf sportliche 13°C abgekühlt. Die sonst so eifrigen Sportfreunde und Morgenschwimmer meiden heute die Außenpools und drehen ihre Runden lieber um das Frühstücksbuffet. An Land wird schon eifrig an den Vorbereitungen für die Medaillenübergabe des Maiden Call gearbeitet. Hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft, Ehrengäste und die erste Offiziersriege der Queen Elizabeth geben sich heute die Ehre um dieses Ereignis zu feiern. Kurz nach dem Anlegemanöver werden bei einer kleinen Zeremonie Gedenktafeln mit dem Datum des Maiden Call ausgetauscht, Fotos mit dem Kapitän gemacht und eine Kapelle sorgt für beschwingte musikalische Untermalung am frühen Morgen. So macht Aufstehen Spaß!

Unser Bus wartet schon um uns heute Vormittag ins benachbarte Donegal (irisch Dún na nGall, deutsch: Festung der Fremden) zu bringen. Die Gegend ist durch den Fischfang zu beträchtlichem Wohlstand gekommen. Der Lebensstandard ist hoch und entlang der Hauptverkehrsstraße reihen sich hübsche Einfamilienhäuser mit gepflegten Vorgärten und akkurat geschnittenen Hecken. Die klischeehafte Darstellung Irlands mit grünen Hügeln und saftigen Wiesen, hier wird Sie Wirklichkeit.

Aus archäologischen Funden erschließt sich, dass die Gegend um Donegal bereits in prähistorischen Zeiten besiedelt wurde. Im Jahr 1159 wurde Aufzeichnungen zufolge hier eine dänische Wikinger-Festung von dem irischen Hochkönig Muirchertach Mac Lochlainn zerstört. Auf die Wikinger-Besiedlung wird auch der Name „Festung der Fremden“ zurückgeführt. Die Kleinstadt am Fluss Eske verfügt über einen kleinen Ortskern, der sich rund um den Donegal Town Diamond erstreckt. Alle kulturellen, kommerziellen und kulinarischen Highlights reihen sich hier dicht aneinander und sind ohne große Anstrengung zu Fuß zu erkunden. Neben jeder Menge Andenken und Souvenirläden ist Donegal für seine handgewebten Wollstoffe weltbekannt.

Seit Jahrhunderten wird hier ein spezielles Tweed-Garn gesponnen: das legendäre Donegal Tweed. Es ist ein Schurwollgarn, das mit kleinen, farbigen Einschüssen durchzogene ist. Typisch ist die besondere Optik: die kleinen Farbnoppen, englisch „flecks“ oder „neps“ genannt. Wollfasern in bis zu sechs verschiedenen Farben werden dabei zu einem Garn mit einem Grundton ausgesponnen. Darin eingearbeitet werden dann noch einmal vier Farbtöne, so dass ein einheitliches Garn mit unterschiedlichen Nuancen entsteht. Traditionell orientiert sich echtes Donegal Tweed aus den Farben der irischen Natur und den heimischen Pflanzen, wie Blaubeeren, Fuchsien, Ginster oder Moos.

Das kulturelle Highlight des Tages ist ganz klar Donegal Castle: Die Burg war der Hauptwohnsitz des O´Donnel-Clans, der von 1200 bis 1601 das Königreich von Tir Chonalll regierten. Die O´Donnels spielten vom 15. bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts eine zentrale Rolle in der irischen Geschichte. Sie repräsentierten bis zur Flucht der Grafen, die Hauptopposition gegen die englischen Eroberer.

Aus Verteidigungsgründen wählte man damals einen strategisch günstigen Standort an der Biegung des Flusses Eske aus. Die Burg war so von zwei Seiten geschützt und bot sicheren Schutz von Angreifern. Die kleine Anlage ist heute liebevoll restauriert und ein Muss für jeden geschichtsinteressierten Irlandreisenden. Gegen ein Endgeld von 5 Euro (Erwachsener) erhält man Einblicke in das Leben der alten irischen Könige und die frühe irische Geschichte.

Neben dem Herrenhaus, kann der Wohnturm, der Festsaal mit seinem aufwendig gemeißelten Kamin aus dem 17. Jh. und der sog „Abtritterker“ besichtigt werden, heute besser bekannt unter dem Begriff „stilles Örtchen“..

Die Familie der O’Donnells gründete im 15. Jahrhundert an der Donegal Bay südlich des Stadtzentrums das franziskanischen Kloster Donegal. Das Kloster liegt etwas südlich des Ortszentrums von Donegal in der Nähe des Hafens unmittelbar am Ufer der Donegal Bay.

Das Kloster Donegal wurde von Aodh Rua O´Donnell und seiner Mutter Nuala O ´Conor 1474 als Haus der reformierten Franziskaner gegründet. Die Klostergebäude wurden auch nach der Reformation bis 1601 genutzt, als die Brüder vor herannahenden Truppen flüchten mussten. Die Klostergemeinschaft besteht bis heute fort mit Sitz in Rossnowlagh etwas weiter südlich; die ursprüngliche Anlage ist heute stark verfallen und kann unentgeltlich besichtigt werden.

Zurück in Killybegs, hat der Regen endlich nachgelassen. Die Stadt mit ihrem schönen Hafen, hat sich heute für seine Besucher herausgeputzt. In den Straßen und Gassen rund um das Hafenbecken herrscht reges Treiben. Killybegs ist die Heimatstadt des weltberühmten Künstlers Kevin Sharkey und der Geburtsort des Harpunengewehrs, erfunden von Thomas Nesbitt.

Ein beeindruckendes Bild liefern einige kapitale Hochseetrawler (Schleppnetzfischer), die gerade ihren Fang an Land bringen. Man hat sich hier auf die Verarbeitung von Makrelen und Heringen spezialisiert, die direkt vor Ort verarbeitet, eingefroren und verschifft werden. Seit der wichtigen Regelung der Fisch-Fangquoten durch die EU im Jahre 2005 ist der Warenumschlag an Fischen im Hafen von Killybegs wieder auf ein gesundes Maß geschrumpft.

Die Fischer und Seeleute auf den Kuttern und Booten zu beobachten ist herrlich entspannend. Man kommt schnell in einen Entschleunigungs-Rhythmus und lernt die kleinen Dinge wieder wertschätzen. Wer authentisch und lecker essen möchte, tut es den Hafenarbeitern und Fischern gleich und bestellt sich bei Killybegs Seafood Shack eine leckere Lunchbox.

Der Seafood-Truck steht direkt am Pier und bietet eine kleine aber feiner Auswahl an frischen Fischen und Meeresfrüchten – und der Andrang ist groß. Wir entscheiden uns für frittierte Scampi, Tintenfisch und natürlich hausgemachte Chips. Drei zauberhafte junge Damen bereiten, mit viel Liebe zum Produkt und Detail, alle Gerichte frisch vor Ort zu. Man sollte etwas Zeit mitbringen, denn gut Ding will Weile haben – zwischenzeitlich genießt man einfach den tollen Ausblick und die frische Seeluft.

Das Warten lohnt sich in jedem Fall, denn Sie werden nie wieder in ihrem Leben so perfekt zubereitete frittierte Scampis in authentischer Umgebung genießen. Killybegs Seafood Shack ist wirklich eine Empfehlung die mannueberbord.com mit gutem Gewissen aussprechen kann und eine Reise in den hohen Norden Irlands lohnt sich allemal! Es ist auch schon wieder Zeit an den Rückweg zu denken. Die Zeit vergeht wieder mal wie im Fluge. Auf dem Weg zurück zum Schiff bieten sich nochmal imposante Ausblicke über das Hafenbecken und die angrenzenden grünen Hügel.

Queen Elizabeth erwartet ihre Passagiere um 16:30 Uhr zurück an Bord. Doch bevor wir ablegen gibt es zur Feier des heutigen Premierenanlaufs noch ein musikalisches „Farewell“ mit Musik und Tanz einer lokalen Gruppe junger Damen. 

Pünktlich zum Auslaufen kommt der Regen zurück und taucht die Landschaft in eine sagenhafte und mystische Stimmung. Vor uns liegen 237 Seemeilen bis zum nächsten Hafen in Greenock / Schottland.

Die Crew von mannueberbord.com genießt noch die friedliche Stimmung des heutigen Abends und lässt die vielfältigen Eindrücke des Tages bei einem Glas Champagner revuepassieren! Gute Nacht aus Irland!

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