Kreuzfahrt um die Britischen Inseln – Inverness

Teil 3:   Auf den Spuren von Nessi durch die Highlands.

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Hoch aufragende Berge, schimmernde Lochs, dichte Wälder und kilometerlange, goldfarbene Strände. Schottland hat nicht nur atemberaubende Landschaften, Schottland hat auch viele Geschichten zu erzählen die bis zum heutigen Tag eine magische Anziehungskraft auf uns ausüben.

Rund 200 Seemeilen haben wir heute Nacht zurückgelegt, die Städte Aberdeen und Peterhead passiert und nun einen westlichen Kurs in Richtung Cromarty Firth – einem Meeresarm an der Nordküste Schottlands – eingeschlagen. Unser heutiges Ziel, Invergordon, ist einer der tiefsten, sichersten und bestgeschützten Häfen Großbritanniens und idealer Ausgangspunkt für Exkursionen in die Schottischen Highlands. Einst Standort der Royal Navy und Stützpunkt für bis zu 12 Kampfschiffe, legen heute ca. 45 Kreuzfahrtschiffe pro Jahr hier an und bringen Gäste aus aller Welt in diese sagenumwobene Landschaft.

Wegen der Nähe zu den Ölfeldern der Nordsee entwickelte sich im Hafen von Invergordon die Schwerindustrie zur Herstellung von Ölbohrplattformen. Seit 1959 ist auch die Whiskybrennerei Whyte & Mackay (keine öffentlichen Führungen) ein bedeutender Arbeitgeber in der sonst eher strukturschwachen Region. Um Punkt 07:34 macht das Schiff längsseits an der Service Base in Invergordon fest. Vom Pier herauf erklingen frühmorgens schon die ersten Dudelsackklänge, welche Passagiere der Steuerbord-Seite sanft aber bestimmt aus der Nachtruhe holen.

Ein schnelles, typisch englisches Frühstück mit Toast, Ham & Eggs, Baked Bean und Hash Brown und schon sitzen wir im Bus zu unserer heutigen Tour durch die Highlands. Entlang des Chromarty Firth verläuft die Schnellstraße A9 Richtung Süden. Sie führt vorbei an der kleinen aber feinen Dalmore Distillery (Whiskey) und dem beschaulichen Ort Dingwall – in dem (so sagt man) der Schottische König Macbeth  (1005-1057), Hauptfigur der gleichnamigen Shakespeare Tradgödie,  geboren sein soll. Wir überqueren auf der Kessock Bridge den Beauly Firth, der unter passionierten Anglern als wahres Paradies für die Lachsfischerei gilt.

„So wüst und schön sah ich noch keinen Tag.“ Macbeth, William Shakespesare

Fans der Serie Outlander dürfte diese Gegend bekannt vorkommen. Viele Szenen und Einstellungen der Netflix-Serie wurden rund um Beauly gedreht. Der beschauliche Ort mit seinen gerade mal 1.365 Einwohnern, entwickelte sich um das im 11 Jh. gegründete Kloster.

Beauly Priory war eines von drei, aus dem französischen Kloster Val-des-Choues hervorgegangene Orden der Valliscaulianer, die im 11 Jh. Schottland besiedelten. Sie benannten das Kloster „Prioratus de Bello Loco“ – also Kloster am schönen Ort – woraus sich der heutige Ortsname entwickelte. Das Kloster ging 1510 von den Valliscaulianern an die Zisterzienser über. Unter Prior Robert Reid, der zugleich Bischof von Orkney war, erlebte die Abtei während der Herrschaft von Maria Stuart eine letzte Blüte. Die durch John Knox in Schottland vorangetriebene Reformation sorgte ab 1560 für den Niedergang der Abtei, 1585 verließen die letzten Mönche das Kloster. Die Truppen Oliver Cromwells nutzten die Gebäude 1652 letztendlich als Steinbruch um Befestigungsanlagen in Inverness zu errichten.

Die Ruinen des Beauly Priory sind heute ein beeindruckendes Relikt längst vergangener Zeiten und fasziniert Besucher mit seiner theatralischen Schönheit und den historischen Verbindungen. Nicht zuletzt deswegen spielt dieser Ort eine wichtige Rolle in den romantischen Outlander Büchern und der gleichnamigen Fernsehserie. Hier trifft die Heldin Claire mit dem Seher Maisri aufeinander.

Über den Glen Convinth, eine Hochmoorebene zwischen Beauly und dem Loch Ness, geht es weiter nach Drumnadrochid, wo Nessi das wohl berühmteste Seeungeheuer in den Tiefen des Loch Ness sein Unwesen treibt.

Mit 23 Meilen Länge und über 243 Metern Tiefe beinhaltet der See das größte Volumen an Trinkwasser auf den britischen Inseln und hat mehr Wasser als alle Seen in England und Wales zusammen.

Seit im Jahr 1933 das erste Foto von Nessi dem Seeungeheuer erschien, ranken sich viele Mythen um das Lieblingsmonster. Es gibt über 1.000 Augenzeugenberichte und viele ungeklärte Beweise die Wissenschaftler bis heute verblüffen. Wer das scheue, lange und schlangenähnliche Wesen unverhofft auf dem Wasser erblickt kann seine Sichtung in das offizielle Loch Ness Monster Sichtungsregister eintragen lassen: www.lochnesssightings.com

Um mehr über die Naturgeschichte, die Mythen und Geheimnisse des Lochs zu erfahren, kann man im Ort Drumnadrochit das Loch Ness Center besuchen. Der Parkplatz ist voll und vor dem Eingang drängen sich Nessi-Freunde aus aller Welt. Hinter einer Bretterwand ist eine Fotokulisse für Selfies mit einem Pappmagee-Seeungeheuer aufgebaut und Souvenierläden bieten allerei Nessi-Andenken für jeden Geschmack und Geldbeutel an. Familien mit Kindern finden hier sicherlich einen geeigneten Zeitvertreib, allen Anderen würde ich von einem Besuch des Loch Ness Centers abraten – Achtung Touristenfalle!

Die heutige Tour endet da wo der Fluss Ness in den Moray Firth fließt und eine kleine Stadt mit großem Herz liegt (gälisch: inver = Mündung). Inverness ist – als Hauptstadt der Highlands – vergleichsmäßig beschaulich und gut zu Fuß zu erkunden. Der Ort und seine Umgebung sind geschichtsträchtig.

Auf der Burg von Inverness regierte im 11. Jahrhundert Macbeth, wenngleich nicht so grausam wie von William Shakespeare geschildert. Anstelle seiner Burg steht seit dem 19. Jahrhundert ein repräsentatives Burgschloss auf dem Hügel, in dem heute das örtliche Gericht untergebracht ist.

In den Straßen rund um Inverness Castle, findet man Museen, Kirchen, eine Flußgängerzone und einen viktorianischen Markt mit allerlei interessanten Geschäften, Cafés, Restaurants und Pubs.

Unser Interesse gilt heute der landestypischen Küche, genauer gesagt dem schottischen Nationalgericht, welches hier besonders gut sein soll: Haggis

Die Spezialität aus Schottland besteht aus dem Magen eines Schafes, paunch genannt, der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird. Haggis ist mit Pfeffer scharf gewürzt, und das Hafermehl verleiht ihm eine etwas schwerere Konsistenz als Wurst. Traditionell werden zu Haggis Kohlrüben (Swede) und Kartoffeln („neeps and tatties“) gegessen. Als Fast Food wird das Gericht auch in schottischen Chip-Shops mit Pommes frites serviert.

Zurück an der Service Base in Invergordon heißt es um 17:30 Uhr „All Aboard!“. Das Auslaufmanöver wird von einem Aufgebot an stattlichen jungen Männern in traditionellen schottischen  Kilts begleitet, die das Schiff und die Gäste mit einem Medley  beliebter schottischer Dudelsack-Melodien verabschieden.

Selbstredend, würdigen die Zuschauer auf ihren Balkonen und an Deck diese einmalige Vorführung mit viel Applaus und Begeisterung. Danke Invergordon für die Gastfreundschaft und dieses tolle und unvergessliche Erlebnis!

Wir verabschieden uns erstmal aus Schottland und nehmen Kurs auf den 439 Meilen entfernten irischen Hafen von Killybegs.

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Nach jeder Menge schottischen Impressionen und kulinarischen Begegnungen genießen wir heute die Ruhe und Entspannung eines Seetages. Am frühen Morgen haben wir die Nordspitze Schottlands (Cape Warth) durch die Pentland Firth (frei übersetzt: „die Meerenge im Land der Pikten“) erreicht. Dieser gilt wegen seiner extremen Strömungs- und Windverhältnisse und der Intensität des Gezeitenstroms als eines der schwierigsten Seegebiete zwischen Nordsee und Nordatlantik. Allein der nur ca. 7 km breite Hauptstrom zwischen Duncansby Head und Muckle Skerry führt im Durchschnitt etwa achtmal so viel Wasser wie der Amazonas.

Um der üppigen Kreuzfahrtkost ein wenig entgegen zu wirken, steht heute Vormittag ein längerer Spaziergang auf dem Plan. Gute Möglichkeit bietet hierfür das Aussendeck 3, dass neben bequemen Deckchairs auch einen breiten Spazierweg bietet (Eine Runde entspricht ungefähr 0,5 km).

Heute Morgen ist die Szenerie jedoch besonders beeindruckend und verleitet immer wiederzum weitschweifenden Blick über die vorbeiziehenden Inseln und  Felsformationen der Isle of Skye und Isle of Lewis. Wir befinden uns im Minchkanal, einer Meerenge im Nördlichen Schottland, die die Inneren Hebriden (Isle of Sky) von den Äusseren Hebriden (Isle of Lewis) trennt. Felix Mendelssohn Bartholdy hat 1829 diese beeindruckende Landschaft in ein musikalisches Meisterwerk übersetzt (Die Hebriden – Overtüre). Ein passender Begleiter für den heutigen Tag.

Neben dem üblichen Zeitvertreib wie einer Eis-Carving-Vorführung, einem virtuellen Rundgang über die Brücke, Vorträgen, Konzerten oder einem Parfumseminar steht an Seetagen der legenäre White-Glove-Afternoon-Tea auf der Agenda. Ein Ritual, das fest zu jeder Cunard Kreuzfahrt gehört.

Zu feinem Earl Grey oder Darjeeling-Tee werden im ersten Gang verschiedene Sandwiches (Gurke, Tunfisch, Ei, Tomate/Mozarella) und herzhaft belegte Brötchen gereicht. Der Duft von frisch gebackenen Scones breitet sich zwischenzeitlich im festlichen Ambiente des Queens Room aus. Süsse Kuchen und feines Gebäck folgen im 2. und 3. Gang. Das Orchester spielt Klassiker aus den 30er und 40er Jahren, die Kellner tragen akkurat gebügelte Uniformen mit goldbesticktem Cunard-Emblem und weiße Handschuhe (ein Zeichen vollendeten Service). Es wird getanzt, geplaudert und einer britischen Tradition gefrönt, die leider viel zu selten Platz in unserem Alltag findet.

Ein gelungener Auftakt zu einem weiteren glanzvollen Gala-Abend unter dem Motto „The Roaring 20´s“, bei dem noch bis tief in die Nacht getanzt, gelacht und gefeiert wird. Für heute wünscht das Team von Mann über Bord eine gute Nacht und freut sich schon auf den morgigen Landgang im Norden der grünen Insel.

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