Kreuzfahrt um die Britische Inseln – Edinburgh

Teil 2:  Das Athen des Nordens.

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Willkommen in Edinburgh, der kosmopolitischen Hauptstadt Schottlands! Hier trifft moderner Zeitgeist auf historische Sehenswürdigkeiten und schottische Tradition. Eingebettet in die grünen Hügel der Lothians – mit ihren endlosen Stränden und malerischen Dörfern – begegnet man an jeder Straßenecke alten und neuen Geschichten.  Eine Stadt, die mit großen Namen wie Maria Stuart oder dem des Romanschriftstellers Sir Walter Scott verbunden ist. Edinburgh ist mit etwa 493.000 Einwohnern nach Glasgow die zweitgrößte Stadt Schottlands, und neben ihrem Status als Hauptstadt, auch Europas erste literarische Hauptstadt.

Der Tag erwacht früh in den nördlichen Breitengraden. Bereits um 04:50 Uhr geht die Sonne auf und weckt die Passagiere der Queen Elizabeth in ihren Kojen. Heute Morgen sind wir in den Leith-Kanal eingefahren. Wer schon früh auf war konnte ein besonderes Naturschauspiel bei der kleinen Insel Inchkeith (steuerbord) beobachten.

Auf Grund der Gezeiten (Ebbe & Flut) liegt das Schiff heute zwischen Middle Bank und Leith auf Reede. Ein eingeschränkter Tender-Service verkehrt zwischen Newhaven und dem Schiff und bringt Gäste und Crew-Mitglieder an Land.

Wir machen uns heute auf die Suche nach dem wahren Geist von Edinburgh und den Lothians. Die Tenderfahrt ist wie so oft mühsam und zeitaufwändig. Nach gut 30 Min. Fahrzeit kommen wir endlich im Hafen von Newhaven an und werden mit landestypischen Klängen eines Bagpipers (Dudelsack) begrüßt. Leider wird keinen Shuttle-Service ins Stadtzentrum angeboten, daher nehmen wir ein Taxi für die hügelige Strecke von ca. 4 km (Fahrtpreis ca. 10 GBP).

Europaweit gibt es wohl nur eine Burg, vor der aus täglich – außer Sonntags – Punkt 13:00 Uhr eine donnernde Salve abgefeuert wird. In der schottischen Hauptstadt Edinburgh können die Einwohner ihre Uhr danach stellen. Das unübersehbare Wahrzeichen der Stadt liegt auf einem schroffen Felsen hoch über der Stadt und lockt jährlich über 2 Mio. Besucher an. Gefühlt, ist heute ein Großteil dieser Besucher anwesend – daher ist es empfehlenswert Tickets vorab online zu erwerben.

Das Eingangstor aus dem Jahre 1888 wird von Robert the Bruce (1306 bis zu seinem Tode 1329 König von Schottland) und Sir William Wallace (schottischer Freiheitskämpfer) flankiert. Das Leben William Wallace war übrigens Vorlage für den US-amerikanischen Spielfilm Braveheart von 1995 mit Mel Gibson in der Titelrolle.

Über dem Tor hängt das königlich schottische Wappen mit seinen roten Löwen auf goldenem Grund, das den schottischen Wahlspruch: „Nemo me impune lacessit.“ zeigt, was frei übersetzt soviel bedeutet wie

„Niemand kann mir ungestraft Schaden zufügen“.

Edinburgh Castle wartet mit zahlreichen historischen Sehenswürdigkeiten auf, die aber auf Grund des großen Besucherandrangs nur schwer zu genießen sind.

Ein Highlight ist der Royal Palace mit den königlichen Gemächern Queen Marrys von Schottland, den Kronjuwelen und einem ganz außergewöhnlichen Stein: Der magische Stone of Destiny spielte im schottischen und heute im britischen Krönungsritual eine wichtige Rolle. Es handelt sich um einen Block aus rotem Sandstein von etwa 66 cm x 41 cm x 27 cm Größe und einer Masse von etwa 152 kg. Zusammen mit den Kronjuwelen wird er in der Schatzkammer ausgestellt und darf leider nicht fotografiert werden.

„Die Schotten baten um ein Parlament und John Major gab ihnen einen Stein.“

Was hat es mit diesem Ausspruch auf sich: Das nahe bei Perth gelegene Scone war das Kult-Zentrum der Pikten, wo der Stein bis 1296 in der Abtei von Scone auf dem Moot Hill aufbewahrt wurde. Jeder König wurde von einem Adligen zum Stein geführt und stehend oder auf dem Stein sitzend gekrönt. Der Stein galt als ein Zeichen der Verbundenheit der Herrscher mit dem Land und dem Volk. Er gilt auch heute noch als eines der wichtigsten Symbole der schottischen Nation. Im Jahr 1296 ließ Eduard I. den Stein als Kriegsbeute nach London bringen und in Westminster unter dem Krönungsthron der englischen Könige einbauen. Die englischen Könige saßen also bei der Krönung auf diesem Stein. Dies wurde von den Schotten als Affront empfunden. Seither gilt er den Engländern als Symbol der Einheit der Königreiche England und Schottland. 1996 wurde der Stein nach 700 Jahren in einer feierlichen Zeremonie zurück nach Schottland ins Schloss von Edinburgh gebracht.

St. Margaret´s Chapel in Edinburgh ist das älteste Gebäude in der Stadt und stammt aus dem frühen 12. Jahrhundert. Sie zählt zu den am besten erhaltenen Bauwerken aus der Epoche der Normannischen Architektur in Großbritannien. Der Legende nach soll Königin Margareta von Schottland in dieser Kapelle getauft worden sein… eine von vielen Legenden dieser Stadt.

Das quirlige Treiben auf der Royal Mile und in den umliegenden Gassen wartet darauf von uns entdeckt zu werden. Wir verlassen das mittlerweile heillos überfüllte Castle und finden eine ähnliche Situation auf der von Souvenir- und Andenkenläden gesäumte Prachtstraße. Um dem Trubel zu entkommen biegen wir in eine Seitenstraße ein und finden plötzlich Ruhe, kleine Cafés, nette Läden und Galerien – eingebettet in eine zauberhafte Harry-Potter-Filmkulisse.

Die grellbunt bemalten Fassaden einzelner Läden und Pubs versprühen ein Flair, dass man nur in der schottischen Hauptstadt erleben kann. Der Weg führt bergab in den neuen Teil der Stadt (New Town). Unübersehbar ragt an der Princes Street das Scott Monument in die Höhe. Das größte Denkmal der Welt für einen Schriftsteller, in Erinnerung an Sir Walter Scott (Rob Roy, Ivanhoe), wurde zwei Wochen nach seinem Tod im Jahr 1832 vorgeschlagen.

Das Denkmal wurde 1844 fertiggestellt und ragt 61 m über die Princes Street. Darunter steht eine Statue von Sir Walter Scott mit seinem Lieblingshund, dem irischen Wolfshund Maida. Bis zur Spitze des Scott Monuments sind es 287 Stufen. Von hier hat man eine schöne  Aussicht über Edinburgh und die Umgebung.

Auf der anderen Straßenseite beginnt die New Town mit dem Shopping District: Allen voran, das 1838 gegründete Kaufhaus Jenners (Heute House of Fraiser). In mitten victorianischer Architektur findet der Kunde auf fünf Stockwerken alles was das Leben schöner macht. Es gibt einige Cafés und eine gut sortierte Lebensmittelabteilung mit schottischen Spezialitäten.

Von hier aus bietet sich ein Rundgang entlang der Rose Street an. Das heute zum UNESCO Weltkulturerbe zählende Viertel war 1767 Teil des neuen Stadtplanungskonzeptes – entworfen vom Architekt James Craig – besteht es bis heute in seiner ursprünglichen Form.

In den 1950er und 1960er Jahren wurde die Rose Street als Treffpunkt einer neuen Bewegung schottischer Dichter bekannt. Schriftsteller wie Hugh MacDiarmid und Robert Garioch trafen sich mit ihren Freunden zu lebhaften Diskussionen, in Orten wie Milne’s Bar, Abbotsford und Café Royal. Sie schrieben oft auf Schottisch oder Gälisch, um einen deutlich schottischen literarischen Stil wiederzubeleben. In einem seiner Gedichte beschreibt Robert Garioch seine Wut darüber, dass die Kneipe von lauten Besuchern überfallen wurde:

„Nimm mich, O Luzifer, aus diesem Durcheinander.  Die Hölle ist schlecht, aber das ist abscheulich.“ Doktor Faust in der Rosenstraße, von Robert Garioch

Über die Hill Street gelangt man wieder zurück zum St. Andrew Square wo sich Edinburghs noble Shopping-Szene trifft: Harvey Nichols bietet auf vier Stockwerken exklusive Waren in modernem Ambiente an. Im hauseigenen Restaurant Forth Floor kann man über den Dächern von Edinburgh eine entspannte Pause einlegen und den Blick über die Stadt schweifen lassen. Bei leckeren Drinks und Klassiker wie Fish & Chips oder Schottischen Austern vergeht die Zeit wie im Flug und Queen Elizabeth ruft ihre Passagiere auch schon wieder zur Rückkehr. Wusstest du schon? Edinburgh hat mehr Restaurants pro Person als jede andere Stadt in Großbritannien!

Der Geist von Edinburgh hat sich heute leider nur sehr selten gezeigt, da er immer wieder von zu vielen Menschenmassen vertrieben wurde. Aber wir nehmen wertvolle Erfahrungen und viele Eindrücke aus der schottischen Metropole mit und kehren erstmal zurück aufs Schiff.

Queen Elizabeth lichtet um 18:31 Uhr ihre Anker und nimmt Nord-Ostkurs in Richtung Invergordon. Auf dem Weg dorthin passieren (Sail-by) wir am Abend noch das Naturreservat Bass Rock und die Isle of May.

Etwa 2 km vor der Küste der schottischen Region East Lothian. liegt die heute unbewohnte Insel Bass Rock, auch „The Bass“ genannt. Die im Wesentlichen aus einem gigantischen solitären Felsen bestehende Insel ist ein Relikt der Vulkantätigkeit im Karbon und besteht aus Phonolith. Die Insel beherbergt eine der größten Basstölpel-Kolonien und steht unter Naturschutz. Diesem Vogel verdankt die Insel auch ihren Namen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Kolonie auf der Insel Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Vögel nannte man damals Solan Goose und dienten in erster Linie als Nahrungsquelle. Neben den Basstölpeln kommen auf dem Felsen noch Eissturmvögel, Papageitaucher, Dreizehenmöwen, Krähenscharben, Trottellummen und Tordalken vor.

Die Isle of May liegt etwas weiter nördlich im Firth of Forth. Sie ist 1,8 Kilometer lang und einen halben Kilometer breit. Die Insel befindet sich im Besitz von Scottish Natural Heritage, das sie als nationales Naturschutzgebiet verwaltet. Entlang der Westküste finden sich steile senkrechte Klippen, in denen im Frühsommer Seevögel brüten, darunter Dreizehenmöwen, Tordalke, Trottellummen und Krähenscharben. Im Inland der Insel, das von Fußwegen durchzogen ist, nisten Papageientaucher und Eiderenten. Daneben gibt es auch Seeschwalben und eine Kolonie von Kegelrobben. Im Jahr 875 wurde der heilige Adrian hier von Wikingern getötet. Im 12. Jahrhundert wurde ein Kloster errichtet, dessen Ruinen noch zu sehen sind, ebenso wie der älteste schottische Leuchtturm.

Wir sehen uns gleich noch die Abendshow im Royal Court Theater an, verabschieden uns für heute und sagen Good night!

 

>> Kreuzfahrt um die Britischen Inseln – Inverness

 

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