Mit dem Schiff durch die Baltische See

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Bernsteinzimmer, Katharinenpalast und Peterhof.

Am nächsten Morgen (07:00 Uhr) hat sich eine illustre Gruppe mit der Nummer „Pink 5“ zum Landgang zusammengefunden um die Umgebung von St. Petersburg zu erkunden. Die Zollkontrolle ist heute wesentlich schneller bewältigt und sogleich geht es mit dem Bus in südliche Richtung. Unser Tourguide für den heutigen Tag ist Alexej, ein wandelndes Geschichtslexikon – wie sich später noch rausstellen sollte. Die Sonne lacht vom wolkenlosen Himmel zu uns herunter. Gegen 08:15 Uhr erreichen wir Zarskoje Selo, mit seinem einzigartigen Katharinenpalast. Eine uniformierte Blaskappelle hat sich vor dem Eingangstor postiert, und gibt russische Marschmusik zum Besten. Hinter den goldverzierten Eisentoren erstreckt sich ein großer Platz der von einer opulent geschmückte Blau-Weiß-Goldene Barock-Fassade eingerahmt wird. Wir sind die ersten Gäste am heutigen Tag wie es scheint. Daher wird uns das exklusive Privileg zu Teil einen noch menschenleeren Palast zu besichtigen!! Wunderbar!! Alexej unser Guide versichert uns, dass heute noch sehr viele Gäste und Touristen im Palast erwartet werden, denn die Einheimischen kommen am Sonntag gerne hier her aufs Land um den Tag mit der Familie im Grünen zu verbringen.

Dieser feudale Barock-Palast (1752, Rastrelli) wurde einst für die Zarin Elisabeth gebaut, die das Anwesen – zu Ehren ihrer Mutter Katharina I. – Katharinenpalast nannte. Später prägte auch Katharina die Große das heutige Erscheinungsbild dieses Palastes entscheidend mit. Sie ließ das barocke Innere von Charles Cameron durch klassizistische Elemente erweitern und modernisieren, was dem Zeitgeist der damaligen Epoche entsprach. Man betritt den Palast und gelangt so gleich in den großen, lichtdurchfluteten Spiegelsaal. Vergoldete Schnitzereien und ein riesiges Deckengemälde „Der Triumph Russlands“ von Guiseppe Valeriani (1755) versetzen die Besucher in Staunen. Sollten sich Prunk und Pracht vom gestrigen Tage heute etwa noch steigern lassen?

Das grüne Speisezimmer mit seinen herrlichen Stuckreliefs ist an Freskenmotive aus dem antiken Pompeji angelehnt. Es unterscheidet sich zur barocken Üppigkeit durch maßvollen Klassizismus. Ein Originalgewand von Katharina der Großen ist ausgestellt. Was auffällt ist, dass hier alles noch mehr oder weniger frei zugänglich ist. Man muß keine riesigen Filzpantoffeln überstülpen, Stuck und Gemälde sind nicht hinter Plexiglas versteckt.

Einst war es ein Geschenk des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. an den russischen Zaren Peter den Großen. Das weltberühmte Bernsteinzimmer ist seit dem Raub durch die deutschen Besatzer 1945 verschollen. Seit 2003 befindet sich jedoch wieder eine originalgetreue Nachbildung im Katharinenpalast. Handwerklich wie künstlerisch ein einzigartiges Meisterwerk, das wie kein anderes die Glanzzeit des Baltikums wiederspiegelt.

Der Katharinenpalast liegt eingebettet in eine großzügige Parklandschaft. Tausende Arbeiter und Soldaten erschufen dort, wo einst dichte Wälder standen, einen der ersten landschaftlich gestalteten Parks Russlands. Durchzogen von Seen, Pavillons, einem türkischen Bad und Galerien verleiht die formvollendete, französische Gartenarchitektur diesem Palast einen würdigen Rahmen.

Die Stunden vergehen wie im Flug und nach einem entspannten Spaziergang durch den sonnenverwöhnten Park setzen wir unsere Tagestour fort. Wir fahren nach Norden in Richtung Ostseeküste, durch weite grüne Ebenen und Kiefernwälder die typisch sind für das nordwestliche Landschaftsbild Russlands. Zum heutigen Thema passend, ist eine Mittagessen im „Summer Palace“ geplant. Das ansprechende Hotel und Restaurant im neobarocken Stil begeistert alle sofort. Im eleganten Saal sind große, runde Tische eingedeckt.

Die Bedienung ist prompt zu Stelle und freundlich. Es gibt frischen Salat und frisches Brot als Vorspeise. Jemand bittet um ein Dressing zum Salat und bekommt etwas Ölhaltiges, das so riecht wie es aussieht – alt und ranzig. Andere Länder, andere Sitten!  Ein kleiner Rückschlag an einem nahezu perfekten Tag. Dafür begeistert uns die Hauptspeise. „Chicken Kiew“, geschmacklich gut und optisch ansprechend zubereitet. Ein kleiner Schokoladenkuchen, zu dem wahlweise Tee oder Kaffee gereicht wird, rundet diese angenehme Mittagspause ab. Frisch gestärkt und mit großen Erwartung auf weitere, spektakuläres Highlight setzen wir unsere Entdeckungstour zum Schloss Peterhof fort. 

Mit den Worten: „Dem höchsten der Monarchen angemessen.“, gab Peter der Große, nach seinem Sieg über die Schweden bei Poltawa 1709, den Bau dieses Palastes in Auftrag. Architekt Jean Baptiste Le Blond entwarf ein einzigartiges Ensemble aus Palästen, Wassergärten, Alleen und Blumenbeeten. Den Mittelpunkt der herrlichen Anlage bildet die große Kaskade, die unterhalb des Palastes von einer unterirdischen Quelle gespeist wird. Sie führt den Blick direkt vom Palast zum finnischen Meerbusen. Der Kanal ermöglichte dem Zaren direkt über das Meer zum großen Palast nach St. Petersburg zu segeln.

Gegen 20:00 Uhr laufen wir aus. Das magische Licht der legendären Weißen Nächte von St. Petersburg wird uns heute noch weit hinaus auf den Ozean begleiten. Ende Mai bis Mitte Juli geht die Sonne in Regionen nördlich des 60. Breitengraden nicht ganz unter, so dass es hell bleibt und der Tag durchschnittlich 19 Stunden hat. Zum Schlafen ist es einfach zu schade.

3 Antworten auf „Mit dem Schiff durch die Baltische See“

  1. So nice to bring back those wonderful memories of the baltic cruise to us!! Hope to get more of that soon (in english)! I‘m a big fan of you blog

    XO

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